Edelmetalle Aktuell
05.10.2010 | Wolfgang Wrzesniok-Roßbach (Heraeus)
Gold
Der Höhenflug des Goldpreises setzte sich in den letzten zweieinhalb Wochen unvermindert fort. Diesmal waren es augenscheinlich keine neuen akuten Krisen, die den Preis antrieben, auch wenn die finanziellen Probleme einiger Länder (siehe unten) zumindest im physischen Bereich vielleicht eine Rolle gespielt haben. Stattdessen dürfte es der überraschend deutlich abwärts taumelnde Dollar gewesen sein, der einen entscheidenden Anteil an den immer neuen Höchstkursen für Gold hatte. Während die US-Währung gegenüber dem Euro von 1,28 auf über 1,38 zurückfiel, stieg der Goldpreis gleichzeitig von etwas über 1.250 $ auf fast 1.321 $ an. Natürlich war letzteres auch wieder ein neues Allzeithoch und aktuell notiert das gelbe Metall immer noch in der Nähe dieser Marke. Wir bleiben dabei, dass es Zeit für eine Korrektur ist, zu viel Gold wurde in zu kurzer Zeit vor allem auch von Spekulanten gekauft. Vor der Korrektur ist aber auch vor dem darauffolgenden Wiederanstieg: An der grundsätzlichen Richtung würde ein eventueller Rückschlag nämlich erst einmal nichts ändern.
Bemerkenswert war in den letzten Tagen, dass nach der wochenlangen Sommerflaute die Nachfrage nach Investmentbarren trotz des relativ hohen Preisniveaus wieder etwas angezogen hat. Allerdings ist die Situation weit davon entfernt, so angespannt wie nach dem Ausbruch der Griechenlandkrise zu sein. Staatliche Finanzprobleme könnten übrigens auch diesmal wieder ein Grund für das Anziehen der physischen Käufe gewesen sein: So gab es neue Hiobsbotschaften aus Irland, das den Bankensektor mit milliardenschweren Zahlungen stützen muss. Außerdem wurde Spanien am letzten Donnerstag einen Tag nach einem Generalstreik von der Ratingagentur Moody's herabgestuft. Sie zog die Bestnote "Aaa" für die spanischen Bonität zurück und senkte die Bewertung auf die zweitbeste Stufe "Aa1". Der Ausblick für Spanien sei nun aber "stabil", teilte die Ratingagentur am Donnerstag mit. Zuvor hatten bereits andere führende Ratingagenturen die Bewertung der spanischen Kreditwürdigkeit gesenkt. Als Grund für die Herabstufung Spaniens nannte Moody‘s die schwachen Wachstumsaussichten für das südeuropäische Land.
In Deutschland hat derweil der Handel mit Futures und Optionen auf Xetra-Gold begonnen. Ob es gelingen wird, die Dominanz der nordamerikanischen Terminbörsen in diesem Bereich zu knacken, bleibt abzuwarten. Das grundsätzliche Interesse an Gold in Deutschland scheint angesichts der Erfolge der diversen erfolgreichen Goldprodukte jedenfalls vorhanden zu sein.
LBMA-Konferenz in Berlin
Das seit dem Beginn der Finanzkrise noch einmal gestiegene Interesse an den Edelmetallen zeigte sich in der vergangenen Woche auch an der Rekordbeteiligung bei der alljährlich von der London Bullion Market Association (LBMA) veranstaltenden Edelmetallkonferenz. Diese fand in diesem Jahr in Berlin und damit zum ersten Mal in Deutschland statt und war mit fast 500 Delegierten komplett ausgebucht. Die Teilnehmer nutzen die Gelegenheit für einen Austausch zu den neuesten Entwicklungen auf den Märkten, wobei 19 Fachvorträge den inhaltlichen Rahmen setzten.
Der positive Unterton der Konferenz zeigte sich auch an den Preisprognosen der Delegierten. Zu Beginn der Konferenz sagten sie für in 12 Monaten noch einen Goldpreis von 1.406 $ je Unze voraus. Zwei Tage später war die Prognose schon auf 1.450 $ angestiegen. Für Platin prognostizierten die Teilnehmer für September 2011 einen Preis von 1.857 $, für Palladium von 702 $ und für Silber von 24 $ je Unze. 64 Prozent der Teilnehmer erwarten binnen Jahresfrist einen schwächeren Dollar und eine gleich hohe Anzahl eine höhere Inflationsrate in den USA. 63 Prozent glauben nicht, dass es einen Rückfall in die Rezession ("double-dip") geben wird.
Sehr positiv fielen auch die Prognosen der in Berlin vertretenen Minengesellschaften aus: Ein Vertreter des südafrikanischen Minengiganten AngloGold sagte wie die Mehrheit der Delegierten einen Marsch des Goldpreises in Richtung der Marke von 1.400 $ voraus. Er führte dazu aus, dass das anstehende Schließen der letzten Terminsicherungsgeschäfte durch Anglo ein Ausdruck dieser positiven Grundeinstellung sei. Bis zum 14. September hatte Anglo sein Terminbuch bereits auf 2,72 Mio. Unzen reduziert; die verbleibende Menge soll nun bis Anfang nächsten Jahres abgebaut werden. Durch diese Rückkäufe freiwerdendes Kapital sei derzeit aber nicht für Akquisitionen vorgesehen, so der Sprecher weiter.
Noch positiver als in Südafrika ist man derzeit in Nordamerika für den Goldpreis gestimmt. Ein Vertreter von Barrick Gold, der weltgrößten Goldminengesellschaft, erklärte hierzu in Berlin, dass der Goldpreis auch leicht 1.500 $ übersteigen könnte. Er verwies, wie übrigens auch viele der Vortragenden darauf, dass zahlreiche Faktoren, die für den Anstieg des Goldpreises seit 2007 verantwortlich waren, immer noch intakt seien. Und das makroökonomische Umfeld, die Fragen von Angebot und Nachfrage, geopolitische Spannungen und die Schuldenkrise würden sich so schnell auch nicht ändern.
Die nächste LBMA-Konferenz findet vom 18. - 20. September 2011 in Montreal statt.
Silber
Im Rahmen einer massiven Aufholjagd konnte das Silber in den letzten beiden Wochen kontinuierlich Boden gutmachen. Dabei stieg die Notierung ohne größere Unterbrechungen von 20,32 $ vor zwei Wochen auf jetzt 22,19 $ je Unze an.
Interessant an der Entwicklung in diesem Zeitraum war die Tatsache, dass es nicht wie in den Wochen zuvor die Spekulanten waren, die den Preis nach oben trieben. Zwar waren die anfangs auch noch aktiv, der Großteil der Käufe ging diesmal aber auf die sicher eher etwas langfristiger orientierten Käufer von ETFs zurück. Diese Gruppe kaufte in den letzten beiden Wochen fast 500 Tonnen Silber zusammen und dürfte den Mitarbeitern in jenen Londoner Tresoren, in denen das Silber nun getrennt von jedem Sammelbestand eingelagert werden muss, einiges an Überstunden beschert haben.
Spannend bleibt die Frage, wie weit diese Entwicklung noch gehen kann. Die jüngsten Kursgewinne brachten das Metall über die Höchstkurse von 2008 hinaus und rein charttechnisch ist noch Luft nach oben. Auf der anderen Seite ist der Markt derzeit überkauft und eine Korrektur wäre dringend nötig, zumal die ETF-Besitzer inzwischen fast 2/3 einer Weltjahresproduktion zusammengekauft haben und die Spekulanten an der COMEX zusätzlich noch einmal 50% in ihrem Besitz haben.
Platin
Nach mehreren Monaten des Verharrens in einem relativ engen Preisband zwischen 1.475 $ und 1.600 $ ist der Platinpreis aus diesem in der vorletzten Woche nach oben ausgebrochen. Abgesehen von einer kurzen Korrekturphase zu Beginn der vergangenen Woche kletterte der Preis dabei kontinuierlich an und erreichte in der Spitze am Freitag Notierungen in Höhe von 1.685 $ je Unze. Im Gegensatz zu den anderen Edelmetallen konnte das Platin aber noch kein neues Jahreshoch verbuchen. Dieses hatte bereits im April bei 1.752 $ gelegen.
Angesichts solcher Kursgewinne auf Dollar-Basis sah die Situation beim Platinpreis in Euro alles andere als rosig aus. Zwar konnte das Metall zu Beginn des Berichtszeitraumes trotz des Kursanstiegs des Euros noch zulegen, danach fiel es aber wieder deutlich zurück. Im Moment pendelt der Europreis in etwa auf dem Niveau zum Zeitpunkt der Abfassung unseres letzten Berichts.
Auf den ersten Blick relativ gute Nachrichten gab es im September vom US-Automarkt. Um satte 29 Prozent sind dort die Neuzulassungen im Vergleich zum allerdings katastrophalen Vorjahresmonat gestiegen. Verglichen mit dem August ging der Autoabsatz allerdings um 4 Prozent zurück, die Jahresrate liegt trotzdem noch mit
10 Prozent im Plus. Mit den jetzt für das Gesamtjahr erwarteten 11,7 Mio. Autoverkäufen liegt der US-Markt trotz der jüngsten Erholung weit hinter den Spitzenergebnisse von vor der Wirtschaftskrise zurück.
Unterdessen ist der Blick vieler Analysten schon nach vorne gerichtet: Mehrere Prognoseinstitute sehen für Deutschland im Jahr 2011 ein Wachstum um acht Prozent auf rund 3,15 Mio. Neuzulassungen voraus.
Die Krise auf dem deutschen Pkw-Markt sei überwunden und die Verhältnisse normalisierten sich, so die Institute. Zudem könne in diesem Jahr, entgegen früherer Vorhersagen, doch noch die Marke von 3 Mio. Neuzulassungen erreicht werden.
Die Marktbeobachter begründen ihren Optimismus mit der wirtschaftlichen Erholung und dem gestiegenen Konsumentenvertrauen.
Während Westeuropa inklusive Deutschland in den nächsten fünf Jahren seine Zulassungen auf rund 15 Millionen Fahrzeuge leicht steigern und wieder das Niveau des Jahres 2000 erreichen wird, werden die asiatischen Märkte deutlich auf rund 30 Millionen Einheiten zulegen. Auch die südamerikanischen Länder und andere Schwellenregionen dürften ein starkes Wachstum verzeichnen. Westeuropa wird 2015 dann nur noch knapp 20 Prozent des globalen Automarkts ausmachen, in Asien werden dann bereits über 40 Prozent der Neuzulassungen verzeichnet. Vor zehn Jahren hatte der Anteil Europas noch bei 30 Prozent gelegen.
Der Streik bei dem südafrikanischen Platinproduzenten Northam geht unterdessen trotz einer Einigung mit einer der beiden beteiligten Gewerkschaften weiter. Nach fast vier Wochen Ausstand hatte sich Northam mit der Gewerkschaft Solidarity Mitte letzter Woche auf eine 8,5prozentige Lohnerhöhung geeinigt. Diese liegt immerhin mehr als doppelt so hoch wie die lokale Inflationsrate. Die größere Gewerkschaft der Minenarbeiter NUM fordert allerdings weiterhin eine Erhöhung der Löhne um 15 Prozent und will den Streik ihrer Mitglieder fortsetzen. Dadurch verliert Northam weiter eine Platinproduktion von 1.000 Unzen am Tag.
In Südafrika kamen am letzten Donnerstag Gerüchte auf, dass der zweitgrößte Platinproduzent Impala Platinum ein Übernahmeangebot für die Platinaktivitäten von Royal Bafokeng Platinum - der größten Platinminengesellschaft in schwarzer Eigentümerschaft - abgeben könnte. Näheres hierzu findet sich unter dem Link auf Seite 4 dieses Berichts.
Was die weitere Preisentwicklung angeht, schließen wir verstärkte Gewinnmitnahmen erst einmal nicht aus. Solange aber das Metall dabei einen Tiefstkurs von 1.625 $ nicht unterschreitet, bleibt der neu entwickelte Aufwärtstrend intakt.
Palladium
Das Palladium konnte in den letzten beiden Wochen weiter zulegen und notierte am vergangenen Freitag zeitweise auf einem neuen Jahreshoch in Höhe von fast 582 $ je Unze. Mit diesem Preis verfehlte das Metall nur sehr knapp den langjährigen Höchstkurs von März 2008, der seinerzeit bei 590 $ gelegen hatte.
In den letzten Stunden hat der Markt dann wieder etwas nachgegeben und rein charttechnisch betrachtet deutet einiges darauf hin, dass es erst einmal eine Ruhepause geben könnte. Aber selbst ein Rückschlag (erstes Kursziel dabei 552 $) würde an dem mittelfristig immer noch positiven Umfeld nichts ändern.
Es bleibt die Frage, warum das weiße Metall derzeit überhaupt so fest notiert. Natürlich gab es in den letzten Monaten einiges an kurz- und langfristiger Investmentnachfrage und natürlich hat sich auch der industrielle Verbrauch durch die Autoindustrie, getrieben vor allem durch die Märkte in China und den USA mit ihren palladiumlastigen Benzinmotoren, im Vergleich zum Vorjahr erhöht.
Vielleicht muss man für eine Erklärung aber trotzdem in eine ganz andere Richtung blicken, nämlich auf die Angebotsseite. Hier zeichnete sich seit Jahren ab, dass die rund um das Jahr 2001 aufgebauten staatlichen russischen Vorräte immer weiter abgebaut wurden. In den letzten, im Jahr 2009 gemachten öffentlichen Kommentaren aus Russland gingen lokale Marktbeobachter davon aus, dass die Vorräte noch Verkäufe für maximal 1 - 3 Jahre ermöglichen würden. Vielleicht ist der Zeitpunkt nun gekommen, an dem tatsächlich kein Metall mehr aus dieser Quelle zur Verfügung steht. Dies wäre alles andere als unerheblich, machten doch die offiziellen russischen Verkäufe in den letzten fünf Jahren immer zwischen 12 und in einzelnen Jahren sogar 18% des weltweit neu verfügbaren Palladiums (ohne Recycling) aus.
Falls sich der derzeitige Palladiumabsatz aufgrund der Motorenstruktur in wichtigen Automobilmärkten weiter stabilisieren sollte, muss vielleicht endgültig eine Neubewertung vorgenommen werden. In diesem Fall (und solange es keine neue Rezession gibt) sind dann auch anhaltend Kurse von über 500 $ je Unze möglich.
Rhodium, Ruthenium, Iridium
Nach den starken Kursgewinnen bei den anderen Metallen versuchte auch das Rhodium aus seiner Lethargie auszubrechen. Dabei waren es insbesondere Händler und weniger industrielle Nachfrager, die den Preis relativ rasch um fast 200 $ auf 2.340 $ je Unze steigen ließen. Auf diesem Niveau kam es dann aber bereits zu Gewinnmitnahmen, so dass der Preis bis heute Morgen wieder leicht zurückfiel. Aus unserer Sicht gibt es auf dem physischen Markt aktuell immer noch einen Angebotsüberhang, so dass wir kurzfristig nicht mit weiteren deutlichen Kursgewinnen rechnen. Langfristig bleiben wir für das Metall allerdings freundlich eingestellt.
Noch immer miserabel sieht die Nachfragesituation beim Ruthenium aus, dessen Preis noch immer langsam aber sicher fällt. Zuletzt lag die Notierung bei 150 $ - 180 $ je Unze.
Kaum verändert ist der Iridiumpreis. Er liegt aktuell bei 685 $ - 715 $ je Unze.
© Wolfgang Wrzesniok-Roßbach
Heraeus Metallhandelsgesellschaft mbH
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