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Kakao: Höchststände gesehen?

18.06.2009  |  Marc Nitzsche (Rohstoff-Trader)
Nachdem der Kakaopreis über mehrere Jahre lustlos vor sich “hindümpelte“, legten die Notierungen zwischen Ende 2007 und Anfang 2009 einen fast schon kometenhaften Anstieg aufs Börsenparkett. Im Verlauf dieser beeindruckenden “Rallye“ konnten sich die Kurse mehr als verdoppeln. Zuletzt kam es zwar immer wieder zu Korrekturen, die der Markt aber meist recht schnell wieder aufholte. Nicht wenige Anleger fragen sich daher, ob die Aufwärtsbewegung noch eine zeitlang anhält oder ob wir die Höchststände langsam aber sicher gesehen haben.


Primärdefizit geringer als erwartet

Signifikanten Auftrieb erhielten die Kakaopreise in den zurückliegenden Monaten insbesondere dadurch, dass der Markt aktuell ein nicht unerhebliches Primärdefizit (Produktion ist geringer als der Verbrauch) aufweist. Die Internationale Kakao-Organisation erwartet mittlerweile für die laufenden 2008/09er Saison eine dahingehende Lücke von 84.000 Tonnen. Allerdings gingen die Experten bis vor einigen Monaten noch von einem deutlich größeren Defizit aus. Anfang Mai meldete sich zudem die Fortis Bank zu Wort, die für den genannten Zeitraum im Wesentlichen eine ausgeglichene Produktion/Nachfrage-Situation sieht.


Drohende Überproduktion in der kommenden Saison

Etwas anders dürfte es demgegenüber im nächsten Wirtschaftsjahr laufen. Zwar rechnet die Fortis Bank mit einer Produktionslücke von 64.000 Tonnen. Die Internationale Kakao-Organisation kündigt demgegenüber eine Überproduktion von bis zu 150.000 Tonnen an. Wir bewerten letztere Prognose als realistischer. Immerhin kündigte der Schweizer Nahrungsmittel-Gigant Nestle an, den Farmern in Westafrika bei der Anpflanzung von einer Million neuer Sträucher pro Jahr über einen Zeitraum von zehn Jahren behilflich zu sein, die gegen Krankheiten oder Schädlingsbefall wesentlich resistenter als die derzeitigen Pflanzen sind. Die gefürchtete “black pod disease“, die in der Vergangenheit immer wieder zu Ernteausfällen führte, könnte damit in absehbarer Zeit “Geschichte“ sein. Darüber hinaus scheint der Bürgerkrieg im wichtigsten Erzeugerstaat (Elfenbeinküste) nach vielen Jahren endlich ein Ende gefunden zu haben, so dass auch von dieser Warte aus keine nennenswerten Gefahren für die Angebotsseite drohen.


Erkennbare Nachfrageschwäche

Wenig “bullisch“ waren im Übrigen die jüngsten Zahlen zur Nachfrage. Im ersten Quartal 2009 ging der Bedarf in Europa um stattliche elf Prozent zurück. In Nordamerika waren es sogar 13 Prozent. Keine Frage: Ein gewisser Teil dieses Nachfrageeinbruchs wird durch den steigenden Konsum vor allem in den asiatischen Schwellenländern kompensiert. Nichtsdestotrotz sollte man gerade das Minus auf dem “alten Kontinent“ unbedingt ernst nehmen. Schließlich war es bisher primär diese Region, die für Wachstumsfantasie hinsichtlich der Kakao-Nachfrage gesorgt hatte. Insgesamt gehen wir davon aus, dass das mit 42 Prozent gegenwärtig sehr niedrige Ending Stock to Use Ratio in der nächsten Saison deutlich zunehmen wird und sich mindestens seinem mehrjährigen Mittelwert bei etwa 46 Prozent annähern sollte.


Saisonalität spricht für steigende Notierungen

Für demnächst wieder steigende Notierungen spricht allerdings die Saisonalität. Für gewöhnlich bildet Kakao Mitte Juni sein Jahrestief aus. In der Folgezeit geht es bis Ende September regelmäßig kräftig aufwärts. Auch wenn der jahreszeitliche Kursverlauf speziell bei Kakao eine nicht zu unterschätzende Aussagekraft besitzt, sollten Anleger dieses Analyse-Instrument nicht überbewerten, insbesondere da zur Stunde in Westafrika keine allzu großen Gefahren seitens der Wetter-Front drohen. Long-Engagements allein auf Grund der Saisonalität einzugehen, halten wir daher für zu riskant.


Tendenziell “bärische“ Charttechnik

Dies gilt vor allem auch deshalb, weil sich die technische Ausgangssituation bei genauerer Betrachtung doch ziemlich “bärisch“ präsentiert. Kürzlich ist der Juli-Future zum wiederholten Mal an seinem zentralen Resist bei 2.800 US-Dollar nach unten abgeprallt. Der längerfristige Aufwärtstrend mag dennoch unverändert intakt sein, aber dessen ungeachtet generieren durch diese Rücksetzer sowohl der MACD als auch die Stochastik ein Verkaufssignal. Ebenfalls auf dem Rückzug befindet sich der RSI, der zudem nur noch knapp über 50 liegt. Erschwerend kommt hinzu, dass der Future seine 18-Tage-Linie nach unten durchbrochen hat. Insofern deutet aus technischer Sicht vieles darauf hin, dass demnächst die Unterstützung bei 2.500 US-Dollar getestet wird. Hält diese nicht, dürfte es zügig bis 2.300 US-Dollar abwärts gehen. Von daher können spekulative Investoren den Aufbau einer kurzfristigen Short-Position ungeachtet der Saisonalität sicherlich in Betracht ziehen.


© Marc Nitzsche
Chefredakteur Rohstoff-Trader







Marc Nitzsche ist Chefredakteur des Rohstoff-Trader Börsenbriefs. Der Börsenbrief ist ein Spezialist für Rohstoffe und bietet konkrete Kaufempfehlungen mit Analysen und Kursprognosen. Mehr Infos unter finden sie auf der Website: www.Rohstoff-Trader.de
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