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Ölblase II (Teil 1): Kampf den Spekulanten

21.08.2009  |  Eugen Weinberg (Commerzbank)
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Der größte Vorteil des Engagements der Finanzmarktteilnehmer an den Rohstoffmärkten ist neben der repräsentativen und liquiden Preisgestaltung vor allem ihre Eigenschaft, die zur Verfügung stehenden Informationen schnell und effizient zu verarbeiten und umzusetzen. Somit sollten Spekulanten idealerweise die massiven Übertreibungen nach oben oder nach unten ausgleichen. Sie sollten kaufen, wenn die physische Nachfrage noch sehr gering ist, sich aber bald erholen sollte und in der spiegelbildlichen Situation verkaufen. Doch diese Rolle haben die Finanzmärkte bzw. deren Teilnehmer nicht erfüllt.

Stattdessen haben sie u.E. in den letzten Jahren wegen falscher Schlussfolgerungen und eines “Überinvestierens“ eine spekulative Blase bei Rohstoffen, insbesondere am Ölmarkt, verursacht. Denn statt von den bestehenden Trends zu profitieren haben die Anleger diese Trends sehr stark beschleunigt und teilweise selbst ausgemacht. Dabei haben ihre Handlungen aus unserer Sicht die Übertreibungen nach oben sowie auch nach unten erst ermöglicht.

Das Problem ist, dass die Rohstoffanleger weitaus mehr Einfluss am Markt bekamen als die physischen Händler. Denn zum einen üben die Anleger ihren Einfluss durch das regelmäßige Rollieren der Rohstoff-Futures aus. Zum anderen sollten wir den Hebel berücksichtigen, den der Börsenhandel ermöglicht. Für den Kauf eines WTI-Kontrakts an der NYMEX wird in der Regel weniger als 8% des Gegenwerts von 1000 Barrel Rohöl nötig, die er repräsentiert.

Am wichtigsten ist es jedoch zu verstehen, dass die Warenterminbörsen nicht geeignet waren, die milliardenschweren Investments aufzunehmen. Diese Investments haben das bestehende Preisgestaltungssystem aus unserer Sicht beschädigt, den “normalen“ Handel gestört und aus dem Lot gebracht. Denn die Relationen zwischen dem physischen Markt und dem “virtuellen“ Börsenhandel stimmen nicht mehr. So hat sich in den Jahren 2003 bis 2008 nicht nur der WTIÖlpreis, sondern auch die Anzahl der ausstehenden Kontrakte an der NYMEX fast versechsfacht. Dies hat u.E. in den letzten Jahren zum Preisanstieg stark beigetragen (Grafik 6).

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Zum Zeitpunkt der Einführung von WTI-Futures an der NYMEX Mitte der 80er Jahre lag die Produktion der US-Ölsorten, die als Benchmark gewählt und zur Lieferung in Cushing, Oklahoma bestimmt waren, bei rund 1,5 Mio. Barrel Rohöl täglich. Das Handelsvolumen von WTI an der Börse lag im Durchschnitt bei umgerechnet 10 Mio. Barrel. Somit waren die Relationen weitestgehend in Ordnung, weil WTI auch als Benchmark für den kompletten USHandel und auch außerhalb der USA nach wie vor akzeptiert wird. Allein in den USA lag die Ölnachfrage in den 80er Jahren bereits bei 16-17 Mio. Barrel pro Tag. Mit dem verstärkten Engagement der Anleger hat sich das Verhältnis jedoch komplett verändert.

Heutzutage werden allein an der NYMEX täglich WTI-Futures im Wert von umgerechnet 600 Mio. Barrel Rohöl gehandelt, wobei die gesamte US-Produktion jetzt nicht einmal 5 Mio. Barrel täglich beträgt. Sogar im Vergleich zur weltweiten Ölnachfrage von gegenwärtig rund 83 Mio. Barrel täglich besteht ein klares Missverhältnis. Am deutlichsten wird dies, wenn man die tatsächlich geförderte WTI-Produktionsmenge und das Börsenhandelsvolumen vergleicht. Die WTIÖlproduktion ist mittlerweile auf lediglich rund 300 Tsd. Barrel pro Tag gefallen. Also wird jetzt jedes Fass WTI-Rohöl an der Börse täglich fast 2000 Mal umgesetzt (Grafik 7).

Es ist also kein Wunder, dass sich vor allem aus der Politik die Stimmen mehren, die das Ende des gegenwärtigen “Wahnsinns“, “Spielkasinos“ und der “Ölblase“ fordern. Dies soll nun zeitnah von der US-Aufsichtsbehörde für Rohstoff-Futures, CFTC, umgesetzt werden.


Was wird sich jetzt eigentlich ändern und warum?

Der neue Chef der CFTC, Gary Gensler, ist offensichtlich entschlossen, gegen die übermäßige Spekulation an den Energiemärkten vorzugehen. Dabei glaubt er, dass der Einfluss der Spekulanten signifikant ist und der Ölpreisanstieg auf knapp 150 USD je Barrel im Vorjahr eine spekulative Blase war. Mit dieser Meinung steht er unter den offiziellen Kontrolleuren ziemlich allein da. Denn wie seine Vorgänger glauben auch seine europäischen Kollegen nicht, dass die Anleger einen großen Einfluss auf den Rohstoffmärkten ausüben und halten nichts von einer verschärften Regulierung. Nichtsdestotrotz sagt die CFTC den Spekulanten den Kampf an. Welche Maßnahmen kann die CFTC sinnvollerweise beschließen?

Zum einen kann man die übermäßige Spekulation eindämmen, indem man die Anzahl der gehandelten und gehaltenen Positionen begrenzt bzw. die sog. Positionslimits einführt. Man könnte die maximale Anzahl der nächstfälligen Futures, die Terminkontrakte für einen bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft und die Gesamthöhe aller Kontrakte begrenzen, die von einem Kontrahenten gehalten werden dürfen. Dies geschieht u.E. bereits bei Agrarrohstoffen, die an der CBOT in Chicago gehandelt werden.

Im Vorjahr hatte man Angst davor, dass die Handlungen von “Spekulanten“ an den Warenterminbörsen die Weltmarktpreise für Getreide nach oben treiben, was die Nahrungsmittelpreise unerschwinglich macht und den Welthunger fördert. Denn zwischen Herbst 2007 und Sommer 2008 haben sich die Preise für Reis, Mais, Sojabohnen und Weizen mehr als verdoppelt. Ein großer Teil davon ging auf das erhöhte Interesse der Anleger zurück. Deswegen erhielt die CFTC durch das Rohstoffbörsengesetz, das ein Teil des im Juni 2008 beschlossenen “The Food, Conservation, and Energy Act“ bzw. des Farmgesetzes war, mehr Macht, gegen die vermutliche Störung der Preisfindung bei Agrarrohstoffen vorzugehen.





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