Marktbericht Edelmetalle: Langsam wird es richtig bärisch!


Das Metall der Könige wurde bereits in Asien und Europa vergleichsweise aggressiv verkauft und eröffnete an der Wall Street folgerichtig deutlich unter seinem Vortagesschlusskurs bei rund 1.656 Dollar. Aber selbst von diesem reduzierten Niveau aus ging es weiter südwärts bis auf einen Schlusskurs bei 1.643,80 Dollar. Gegenüber Mittwoch bedeutete das ein Minus von üppigen 31,30 Dollar oder 1,87 Prozent. Silber verbilligte sich um 1,26 Dollar (knapp 3,8 Prozent) auf 32,15 Dollar. Im Vergleich dazu hielten sich die Platinmetalle bemerkenswert gut: Platin selbst gab 15 Dollar oder 0,9 Prozent auf 1.672 Dollar nach. Palladium verlor fünf Dollar (0,7 Prozent) auf 696 Dollar.
Nachwehen der FED-Äußerungen
Da die üblichen Verdächtigen (Dollar-Aufwertung und/oder schwache Aktienmärkte) als Erklärung für den gestrigen Handelsverlauf nicht herangezogen werden können, begründeten Marktteilnehmer den Abverkauf im Speziellen bei Gold und Silber mit Nachwehen im Zusammenhang mit den jüngsten FED-Aussagen zum Zustand der US-Ökonomie und der künftigen Geldpolitik. Daran dürfte viel Wahres dran sein. Bemerkenswert ist lediglich, dass es gestern auch Silber heftig erwischt hat, obwohl der kleine Bruder des Goldes nicht viel weniger konjunktursensitiv ist als die Metalle der Platingruppe. Allerdings wurden Platinmetalle in der Vergangenheit weniger zu Absicherungszwecken gegen eine schleichende Geldentwertung gekauft als Silber. Und wenn dann die Inflationssorgen abnehmen, werden derartige Positionen aufgelöst und genau das ist am Mittwoch bei Silber geschehen.
Paradigma-Wechsel nicht Gestalt an
Wesentlich interessanter am gestrigen Handelstag war jedoch, dass der potenzielle Paradigma-Wechsel, auf welchen an dieser Stelle bereits mehrfach hingewiesen wurde, sukzessiv Gestalt annimmt. Mittlerweile scheint die Absurdität, dass gute Wirtschaftsdaten aus den Vereinigten Staaten zu einer Aufwertung der Gemeinschaftswährung gegen den Dollar führten und damit indirekt auch die Edelmetall-Notierungen mit in die Höhe zogen, seinem Ende zuzugehen. Verfestigt sich diese Tendenz, wonach es aktuell aussieht, dürften Edelmetall-Anlegern schwere Zeiten ins Haus stehen - es sei denn, sie sind auf der kurzen Seite positioniert. Erschwerend kommt hinzu, dass sich insbesondere beim gelben Metall das technische Bild zunehmend eintrübt und bereits richtig gefährlich anmutet.
Anleger, die noch größere Edelmetall-Bestände ihr Eigen nennen, sollten dieses veränderte Marktverhalten intensiv beobachten und vor allem zur Kenntnis nehmen. Die gebetsmühlenartigen Beschwörungen, dass Edelmetalle die beste Asset-Klasse überhaupt sind, helfen hier nicht weiter. In diesem Zusammenhang sollte man sich eher an die bekannte Börsenweisheit halten: Die ersten Verluste sind häufig noch die geringsten.