Energie: Bodenbildung noch nicht absehbar


Die Korrektur an den Ölmärkten hat sich in der abgelaufenen Woche fortgesetzt. Nachdem die 120-Dollar-Marke sich zwei Mal kurzfristig als Unterstützung erwiesen hat, wurde schließlich auch diese Marke gegen Ende der letzten Woche unterschritten. Zuletzt pendelte sich der Ölpreis um die Marke von 115 Dollar ein. Seit dem Höchststand vor vier Wochen bei gut 147 Dollar hat das schwarze Gold damit in sehr kurzer Zeit rund 30 Dollar oder etwa 20% verloren.

Kurzfristig ist immer noch keine Ende des Abwärtstrends zu erkennen. Die Spekulanten haben in den letzten Tagen weitere Longpositionen abgebaut und sind nach den jüngsten CFTCDaten wieder mehrheitlich auf der Shortseite. Die aktuelle Netto-Short-Position liegt bei rund 4.500 Kontrakten. Dass die Bären weiterhin den Markt dominieren, wird dann klar, wenn die Auswirkungen der für den Ölmarkt relevanten Meldungen auf die Preise betrachtet werden. So hätte beispielsweise unter normalen Umständen die Eskalation des russisch-georgischen Konflikts ebenso für Aufschläge beim Ölpreis sorgen müssen, wie der jüngste Anschlag auf eine wichtige Pipeline in der Türkei. Auch das Atomprogramm des Irans hätte bei einem anderen Marktumfeld die Preise ansteigen lassen. Immerhin sollte die Ankündigung, im Konfliktfall die Straße von Hormus zu sperren, vom Westen nicht auf die leichte Schulter genommen werden, da täglich etwa 17 Mio. Barrel Öl durch die Meerenge transportiert werden.

200-Tage-Linie wieder in der Normalzone
Wie lange die selektive Wahrnehmung des Marktes sich fortsetzt, bleibt abzuwarten. Allerdings signalisiert die Abweichung von der 200-Tage-Linie, dass die Korrektur langsam abgeschlossen sein könnte. Der Indikator erreichte vor vier Wochen mit einer Abweichung des Preises von 47 Dollar gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt noch ein Rekordniveau. Mittlerweile ist der Indikator mit einem Stand von rund 10 Dollar wieder in der Normalzone angelangt. Von fundamentaler Seite kamen zuletzt gemischte Daten. Rückenwind für die Bären kam aus China. Dort fielen die Ölimporte im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 7%. Allerdings sollten diese zahlen im Kontext der Olympischen Spiele nicht überbewertet werden. Sorgenfalten sollte den Bären jedoch die Förderung in Mexiko bereiten. Die Förderung des einstmals sechstgrößten Produzenten dürfte im laufenden Jahr auf 2,8 mbpd zurückfallen - vor fünf Jahren erreichte die mexikanische Produktion noch einen Ausstoß von knapp 3,4 mbpd.

© Dr. Frank Schallenberger
Commodity Analyst
Quelle: Landesbank Baden-Württemberg, Stuttgart
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